Corona-App? Danke, aber wir sind erwachsen

Corona-App? Danke, aber wir sind erwachsen…

Die Technikgläubigkeit der Branche treibt in der Pandemie besonders seltsame Blüten. Die Corona-App ist keine gute Idee, meint Volker Briegleb.

Volkssport Social Distancing:
So there’s an app for that. Gleich mehrere Konzepte wetteifern um die beste Lösung. Apps sollen Daten sammeln, beim neuen Volkssport „Social Distancing“ helfen und warnen, wenn man Infizierten zu nahe gekommen ist. Datenschützer schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Aktivisten stockt der Atem. Das ist das Ende der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Die Aufregung ist so berechtigt wie die Debatte überflüssig. Denn wie sinnvoll kann so eine App sein, die dem strengen europäischen Datenschutz gerecht werden muss? Die auf Freiwilligkeit setzt? Die Alarm schlägt und Unsicherheit schürt, aber keine verlässliche Einschätzung des tatsächlichen Infektionsrisikos erlaubt, weil die näheren Umstände der Datenschutz unterdrückt? Wie kann eine App die besonders gefährdeten älteren Menschen schützen, von denen ein Drittel nicht mal ein Smartphone hat?

Typischer Solutionism:
Wer sich diese Fragen ehrlich beantwortet, muss zu dem Schluss kommen: Eine App, die effektiv vor Ansteckungen schützt, kann es nur unter chinesischen Bedingungen geben. Apples alter Slogan und die deutsche App-Debatte sind deshalb vor allem Ausdruck der unbeirrbaren Technikgläubigkeit, die die Tech-Branche antreibt: der typische Silicon Valley Solutionism, der meint, für alles eine Lösung zu haben.
(Volker Briegleb, Heise)

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Ich stimme zu, dass eine App eine schlechte Idee ist! Menschen verdienen Privatsphäre