Drohende Zahlungsunfähigkeit: Zahlungsdienstleister Wirecard meldet Insolvenz an!

Der Absturz von Wirecard geht ungebremst weiter. Der Vorstand hat nun entschieden, einen Insolvenzantrag zu stellen. Es drohe eine Zahlungsunfähigkeit.

Der strauchelnde Zahlungsdienstleister Wirecard meldet Insolvenz an und zieht damit die Konsequenzen aus den dramatischen Entwicklungen der vergangenen Tage (25.06.2020). Wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag mitteilte, soll der Insolvenzantrag auf Antrag des Vorstands beim zuständigen Amtsgericht München eingereicht werden. Grund seien drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Ob derartige Anträge auch für die Tochtergesellschaften gestellt werden müssen, werde nun geprüft.

Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Händlern auf der einen und Banken sowie Kreditkartenfirmen auf der anderen Seite ab. Viele Online- und Mobil-Bezahlsysteme setzen auf Wirecard als Dienstleister.

Erst vor einer Woche hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Wirecard darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen. Bei diesem Geld geht es um etwa ein Viertel der gesamten Bilanzsumme und seitdem wurde immer deutlicher, dass dieses Geld offenbar tatsächlich fehlt. Vergangenen Freitag trat dann Vorstandschef Markus Braun zurück, am Montag wurde er festgenommen und am Dienstag kam er gegen Kaution frei. Der Aktienkurs des Dax-Konzerns stürzte in der Zeit von über 100 Euro auf derzeit unter 11 Euro ab.

Brauns ehemals rechte Hand im Wirecard-Vorstand, Jan Marsalek, wird derzeit auf den Philippinen vermutet. Er war am Montag fristlos entlassen worden. Justizminister Menardo Guevarra zufolge gibt es in dem Land Hinweise darauf, dass er erst kürzlich eingereist und noch vor Ort ist, zitiert die dpa. Die vermissten 1,9 Milliarden Euro hätten seit Ende vergangenen Jahres auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken verbucht sein sollen, doch diese Konten gab es offenbar nie. Inzwischen hat das Land Geldwäsche-Ermittlungen eingeleitet. In Singapur laufen bereits seit über einem Jahr Ermittlungen gegen Wirecard.

An der Frankfurter Börse kam es zu Panikverkäufen: Die Wirecard-Aktien hatten innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits neunzig Prozent ihres Wertes verloren, nach der Insolvenzmitteilung rauschten die Papiere innerhalb kürzester Zeit auf 2,50 Euro in die Tiefe. Unter den Leidtragenden, die nun auf quasi wertlosen Papieren sitzen, sind sehr viele Kleinaktionäre.

Ein schneller Abstieg aus dem Dax droht aus heutiger Sicht nicht: „Bei einem regulären Insolvenzverfahren dagegen bleibt die Aktie bis zum nächsten regulären Anpassungstermin im Dax“, erläuterte ein Sprecher der Deutschen Börse laut dpa die Regeln, die für alle Dax-Mitgliedsunternehmen gelten. Der nächste reguläre Anpassungstermin ist der 3. September.

Bei Wirecard wird nun zunächst ein Gutachter beauftragt, der die Lage des Unternehmens beurteilt. Im nächsten größeren Schritt nach dem Eingang des Insolvenzantrags beim Münchner Amtsgericht muss dann ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt werden.

Damit ist ein vor einer Woche noch als solvent und zukunftsträchtig geltender Dax-Konzern in atemberaubender Geschwindigkeit in den Abgrund gerutscht. (HEISE)

Hab ich den Link zur Quelle hier irgendwo überlesen? LS wünscht sich doch auch immer Backlinks :3

Danke für den Post.

Nööööö…du kannst nichts überlesen, was nicht vorhanden ist! :rofl: Im Übrigen glaube ich nicht, dass der Heise-Verlag auf die paar Klicks angewiesen ist!!
Desweiteren kaufe ich nach wie vor immer noch gedruckte Hefte von denen, jenseits der 12€-Grenze, was einer Unterstüzung durch meine Person wohl gleichkommt…! :wink:

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Der Geschäftsführer von Wirecard wurde kürzlich sogar verhaftet.

Der insolventen Wirecard AG droht ein weiterer schwerer Schlag. Offenbar überdenken die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard ihre Geschäftsbeziehungen zu dem Skandal-Unternehmen. Unterdessen wird Ex-Vorstand Marsalek in China vermutet.

Kein Wunder also, das die Aktie keinen Boden findet, aber viel tiefer kann es nun auch nicht mehr gehen. Sie sackten am Freitag bis auf 1,08 Euro ab, auf das tiefste Niveau seit 17 Jahren. Sie schlossen fast 64 Prozent niedriger bei 1,28 Euro. Der Weg zum Penny Stock ist also nicht mehr weit.

Denn die Flut an schlechten Nachrichten reißt erwartungsgemäß nicht ab. Visa und Mastercard erwägen, Wirecard die Möglichkeit zu entziehen, Zahlungen über ihre Netzwerke zu leiten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schrieb. Einige Wirecard-Kunden seien bereits kontaktiert worden, um sie auf diese Möglichkeit vorzubereiten.

Umfassender Betrug

Wirecard hatte am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag eingereicht. Bei den Aschheimern geht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die den Jahresabschluss 2019 prüfte, von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannendem Maßstab aus: „Es gibt deutliche Hinweise, dass es sich um einen umfassenden Betrug handelt, an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielter Täuschungsabsicht beteiligt waren“, erklärte EY.

EY ist selbst in das Visier der Kritik geraten, da sich viele Beobachter die Frage stellen, warum die Fachleute der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Manipulationen nicht früher entdeckt haben. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger stellte Strafanzeige gegen einige amtierende und auch ehemalige Abschlussprüfer.

Zudem schaltete die EU-Kommission die europäische Finanzaufsicht ESMA ein, um mögliche Versäumnisse der Aufsichtsbehörden zu prüfen. Bis 15. Juli soll ein vorläufiger Untersuchungsbericht vorliegen. Das deutsche Bundesfinanzministerium hat wegen der causa Wirecard bereits die Kompetenzen der hier verantwortlichen Finanzaufsicht Bafin auf den Prüfstand gestellt

Wo ist Marsalek?

Unentdeckt bleibt derzeit auch eine Schlüsselfigur im Wirecard-Milliardenskandal. Der frühere Vorstand Jan Marsalek hält sich möglicherweise in China auf. Nach den Daten der philippinischen Einwanderungsbehörde reiste er am Dienstag in das südostasiatische Land ein und am Mittwoch über den Flughafen Cebu weiter nach China. Allerdings zeigten die Videoaufzeichnungen des Flughafens nicht, dass Marsalek das Land verlassen habe, sagte Justizminister Menardo Guevarra am Donnerstag dem Fernsehsender CNN Philippines.

Der Manager war im Wirecard-Vorstand für das operative Tagesgeschäft zuständig und am vergangenen Montag fristlos entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt bereits seit Wochen gegen Marsalek, Ex-Vorstandschef Markus Braun und zwei weitere noch amtierende Vorstände wegen des Verdachts der Falschinformation von Anlegern.
Wegen des Insolvenzantrags werden die Wirecard-Aktien in der kommenden Woche aus dem Stoxx Europe 600 entfernt. Von Dienstag, 30. Juni an werden sie nicht mehr im Index der 600 größten börsennotierten europäischen Unternehmen zu finden sein, teilte die Index-Tochter Stoxx Ltd. der Deutschen Börse mit. Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgestellt werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.

Eine unmittelbare Herausnahme aus dem Dax ist offenbar nicht geplant. Es ist das erste Mal, dass ein insolventes Unternehmen in der ersten deutschen „Börsenliga“ enthalten ist. (boerse@ard.de)